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Interview aktuell



NoJack
Junge Suchtselbsthilfe Troisdorf

3/2019

Bee, NoJack

Bee weiß aus eigener Erfahrung, wie es ist, als junger Mensch in die Sucht zu rutschen. Schon mit 13 startete sie in der Partyszene im Ruhrgebiet durch. Den Absprung hat sie lange nicht geschafft: Alkohol, Partydrogen und Komasaufen gehörten am Wochenende in der Szene dazu. Mit 30 war sie kokainabhängig.

Mittlerweile ist Bee 48 und seit vier Jahren trocken. Vor dem Entschluss zur Abstinenz lag allerdings der völlige soziale und persönliche Absturz: mit der Familie hatte sie sich überworfen, Freunde hatten sich abgewandt, ihre Beziehung war gescheitert.
Als Grund für den Weg in die Sucht sieht sie heute eine ständige Überforderung: „Ich hatte Angst zu versagen. Durch den Alkohol spürst Du nichts mehr, aber damit belügst Du Dich selbst...!“

Aufgrund der eigenen Erfahrungen war der Ansporn groß, im Sommer 2018 in Zusammenarbeit mit dem jungen Kreuzbund ein Angebot für junge suchtkranke Menschen in Troisdorf zu schaffen. Die Gruppe NoJack trifft sich wöchentlich im Café Koko der Diakonie.
Bee hat bei Vorstellungen in Suchtkliniken die Erfahrung gemacht, dass die klassische Suchtselbsthilfe die jungen Betroffenen nicht mehr erreicht.

Bee:
Die Suchtselbsthilfe – mit Blauem Kreuz, AA, Kreuzbund – ist veraltet. Das passt für die jungen Betroffenen einfach nicht mehr. Bei unserem letzten Termin in einer Klinik haben die jungen Leute gesagt „Die Kreuzritter kommen wieder…!“ Wie im Mittelalter!

Selbsthilfe-Kontaktstelle:
Wie läuft ein Gruppentreffen ab?

Bee:
Wir treffen uns immer mittwochs von 18.00 bis 20.00 Uhr, ich stehe aber auch länger für Gespräche zur Verfügung. Ich versuche, das Treffen ganz locker zu halten, so dass wir am Anfang erst mal alle durcheinander quasseln. Dann ist mir aber wichtig, dass wir Ruhe reinkriegen und sich jeder sammelt.
Dann erzählt jeder, was er letzte Woche erlebt hat: „Was hat mich beschäftigt?“, „Bringe ich irgendetwas mit?“ Das Wichtige ist für mich, dass jeder zu Wort kommt. Daraus ergibt sich dann meistens ein Thema für den Abend.

Selbsthilfe-Kontaktstelle:
Wie viele Teilnehmer kommen – nach der ersten Durststrecke - inzwischen regelmäßig?

Bee:
Wir haben jetzt immer zwischen sieben und zehn Teilnehmern im Alter von 20 bis Mitte 30. Wir haben einen festen Kreis von drei Leuten, die wirklich ganz regelmäßig jede Woche kommen. Weitere drei Leute kommen regelmäßig alle zwei bis drei Wochen. Außerdem schauen sich auch Leute die Gruppe an, denen ich in der Klinik davon erzählt habe. Die Klinik stellt die Teilnehmer dafür frei.

Selbsthilfe-Kontaktstelle:
Mit welchen Süchten haben die jungen Menschen zu tun?

Bee:
Wir machen da keine Einschränkungen oder Vorgaben. Im Moment haben wir Cannabis, Amphetamine, Kokain, Alkohol, Schnüffeln von Klebstoffen – aber auch Spielsucht. Wir sind aber auch offen für Menschen, für die exzessiver Sport, Essen oder eine Verhaltensweise zur Sucht geworden ist. Ich würde NIE jemanden wegschicken! Deshalb kann auch jeder zu uns kommen, der befürchtet, süchtig zu werden. Da finde ich Prävention ganz wichtig!

Selbsthilfe-Kontaktstelle:
Ihr arbeitet sehr intensiv. Wie grenzt Du Dich ab?

Bee:
Ich habe aus meiner beruflichen Tätigkeit jahrelange Erfahrung in Beratungstätigkeit und Gesprächsführung. Ganz wichtig ist tatsächlich die Abgrenzung: „Bis hier hin und nicht weiter!“ Da muss ich klarstellen, was gehört in die Gruppe, was ist Therapie und was ist Klinikarbeit.
Ich glaube, die Jugendlichen brauchen einen Anker. Da muss jemand sein, zu dem sie Vertrauen haben. Ziel ist aber, dass neue Gruppenleiter geschult werden, so dass sich die Suchtselbsthilfe insgesamt verjüngt. Die Alten müssen lernen, abzugeben!

Selbsthilfe-Kontaktstelle:
Warum ist junge Suchtselbsthilfe so wichtig?

Bee:
Das ist für mich ein Herzensprojekt! Weil ich selbst mit 13 in die Sucht gefallen bin. Durch alles, was ich schon an schlechten Dingen erlebt habe, aus denen ich auch wieder rausgekommen bin, weiß ich: Wenn ich damals so ein Angebot gehabt hätte, wäre es bestimmt anders gelaufen! Und es ist einfach so, dass Jugendliche von ihren Eltern Hilfe nicht so gut annehmen können. Sie brauchen einen Anker, der von außen kommt.
Die Gruppe NoJack ist eines der wenigen Angebote für junge suchtkranke Menschen im Kreis, dabei ist der Bedarf groß!


NoJack trifft sich wöchentlich mittwochs von 18.00 bis 20.00 Uhr im Café Koko der Diakonie, Poststraße 91, 53840 Troisdorf.
Einfach vorbeikommen! Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Nach Rücksprache besteht auch die Möglichkeit, dass Familienangehörige und Freunde einen Gruppenabend miterleben und Fragen stellen können.

Tel. NoJack: 0157 37 54 40 94
www.kreuzbund.de

 

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