So lautete der Titel der Veranstaltung, zu der die Selbsthilfe-Kontaktstelle Rhein-Sieg-Kreis im Rahmen ihres 20-jährigen Bestehens ins Stadtmuseum Siegburg eingeladen hat.
Anlass für das Thema war das Projekt „Selbsthilfe und Neue Medien“, dass die NAKOS - Nationale Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen mit Sitz in Berlin – über zwei Jahre durchgeführt hat.
Heute nutzen rund 67 % der über 14-Jährigen das Internet regelmäßig, Tendenz steigend. Auch die Selbsthilfe nutzt das Internet: unter dem Stichwort „Selbsthilfe“ werden bei Google rund 2,8 Mio. Fundstellen angezeigt.
271 Selbsthilfekontaktstellen erbringen Unterstützungsangebote an 311 Orten für rund 40.000 Selbsthilfegruppen. 9 % der Bevölkerung haben im Laufe ihres Lebens an einer Selbsthilfegruppe teilgenommen. Durch das Internet wächst die Zahl. So hat auch Marita Besler, Fachberaterin bei der Selbsthilfe-Kontaktstelle Rhein-Sieg-Kreis, ihre erste Selbsthilfegruppen-Erfahrung im Chat der virtuellen Selbsthilfegruppe „Parkinsonline“ gemacht. Immer mehr Menschen kommunizieren über das Internet vor allem die Jüngeren. Die realen Selbsthilfegruppen sind davon betroffen, fehlt doch der Nachwuchs.
Face-to-face vs. Chat?
Gemeinsam mit fachkundigen Referenten auf dem Podium und dem Publikum wurden die Fragen erörtert, wohin entwickelt sich die Selbsthilfe und stellt das Internet eine Konkurrenz dar für „Face-to-face“-Gruppen?
Ein Projektergebnis besagt, dass die neuen Medien keine Bedrohung, sondern eine Chance darstellen im Sinne von „Türöffner für die Selbsthilfe“.
Katharina Bauer, die die website „Hungrig-online“ - für Menschen mit Essstörungen - vorstellte, erklärte, dass die Hemmschwelle, einer virtuellen Gruppe beizutreten, niedriger sei, als Kontakt zu einer realen Gruppe zu suchen. Zudem gehören die Betroffenen einer Generation an, die mit dem Internet aufgewachsen ist.
Auch Bernd Franzen, der das Internetangebot des Selbsthilfeverbandes Morbus Crohn vorstellte, sieht Online-Angebote nicht als Konkurrenz für bestehende Selbsthilfegruppen. Aber er empfiehlt den Selbsthilfe-Akteuren „den Wandel in der Selbsthilfe“ im Blick zu haben.
„Online-Gruppen können unter bestimmten Voraussetzungen auch über Krankenkassen gefördert werden“ so Gabriele Holy von der AOK Rheinland-Hamburg. Annerose Flunkert, Fachtherapeutin im Frauenzentrum Bad Honnef stellte noch einmal den Wert des persönlichen Kontaktes in der klassischen Selbsthilfegruppe heraus, den die virtuelle Selbsthilfegruppe nicht ersetzen kann. Dafür erntete sie viel Zuspruch aus dem Publikum.
Fazit der Veranstaltung
Auf die Frage der Moderatorin „Wie können Selbsthilfe-Kontaktstellen virtuelle Selbsthilfegruppen unterstützen?“ antworteten die Referenten unisono: „Verlinkung!“
Wichtig ist, sich der Entwicklung der Selbsthilfe im Internet nicht zu verschließen und sie als Ergänzung und Chance zu begreifen. Und dabei den Schutz der privaten Daten nicht zu vernachlässigen!