Zur 1Live Reportage: Flaschenkinder - "Wenn Eltern trinken"
Montag, 09.01.12, 23:00 bis 24:00 Uhr auf 1Live
> "Ich habe gedacht, ich darf mit keinem darüber reden, weil es irgendwie
> peinlich sein könnte“, sagt David über seine Kindheit. Heute ist er 24
> Jahre alt und hat nur noch sporadisch Kontakt zu seiner Mutter, einer
> Alkoholikerin.
>
> In Deutschland gibt es rund 2,7 Millionen Alkoholiker-Kinder (bis 18
> Jahre), so die aktuellen Zahlen der Bundesdrogenbeauftragten. Sie alle
> müssen Mutter oder Vater im Delirium erleben und werden notgedrungen
> viel zu früh erwachsen. Wie David, der damals alles versucht hat, um
> seine Mutter vom Alkohol loszukriegen: Er hat sie zur Rede gestellt, den
> Wein versteckt und für sie gelogen, wenn sie mal wieder volltrunken im
> Bett lag. Doch schließlich ist er mit seiner kleinen Schwester
> ausgezogen.
>
> Alkoholiker-Kinder sind aus der Not heraus perfekte Krisenmanager. Sie
> sorgen für ihre Eltern und gaukeln ihrem Umfeld ein Bild von der heilen
> Familie vor. Doch in Wirklichkeit sind sie traurig, einsam, überfordert
> - und bleiben selbst auf der Strecke: "Du kriegst kein Gefühl zu Dir
> selber, Du bist orientierungslos“, erklärt die 45-jährige Bernadette.
> Ihr Vater leugnet bis heute, ein Alkoholproblem zu haben, obwohl er
> schon Haus und Job verloren hat.
>
> Bernadettes Überlebensprogramm heißt Al-Anon. In den Selbsthilfegruppen
> der Angehörigen aus alkoholkranken Familien kann sie über alles
> sprechen und ihren Schmerz verarbeiten. Die Meetings sind anonym und in
> einer sehr vertrauensvollen Atmosphäre. Jeder Betroffene darf für zwei
> Stunden einfach er selbst sein und muss sich für nichts schämen.
> Hier geht auch Rita jede Woche hin, um ihre Probleme zu bewältigen: "Ich
> habe Schwierigkeiten damit, Beziehungen zu führen. Ich habe immer Angst,
> jemanden zu verlieren. Ich bin immer in Gedanken, kann mich nie
> entspannen. Es fühlt sich so an als hätte ich immer noch die
> Verantwortung für die ganze Welt.“ Rita hat zu Hause einfach nur
> funktioniert und den Haushalt für ihre alkoholkranke Mutter geschmissen.
> Mit 29 Jahren fand sie sie tot im Bett vor, daneben leere
> Schnapsflaschen.
>
> 1LIVE-Reporterin Nele Quoos hat Menschen getroffen, deren Eltern
> getrunken haben oder noch trinken. Menschen, die ein Leben lang ein
> "Kind aus alkoholkranker Familie“ bleiben. Und die trotz ihrer
> traumatischen Vergangenheit nicht aufgeben, kämpfen und nach vorne
> blicken: "Ich glaube, wenn ich das nicht durchgemacht hätte, wäre ich
> nicht die Person, die ich heute bin“, sagt David und lächelt dabei.
>
> Redaktion: Marion Quandt, Tel.: 0221 / 220-2067
> Mail: marion.quandt@wdr.de
> Hotline der Selbsthilfe-Kontaktstelle: 0160 / 49 46 888
> Mail: selbsthilfe-rhein-sieg@paritaet-nrw.org
________________________________
Ihre Selbsthilfegruppe veranstaltet einen Vortragsabend mit einem interessanten Referenten?
Sie feiern mit Ihrer Gruppe ein Sommerfest und möchten auch andere Interessierte dazu einladen? - Hier können wir es für Sie bekannt machen.
Schicken Sie uns eine Email oder rufen Sie uns einfach an.
Selbsthilfegruppen, die präventiv oder rehabilitativ im Sinne der Gesundheitsförderung arbeiten, können bei den Krankenkassen finanzielle Unterstützung beantragen. Antragsformulare finden Sie auf unserer Seite „Selbsthilfe-Materialien“ im Ordner Krankenkassenanträge. Dieser Link führt Sie direkt auf die Seite des Selbsthilfenetzes und Sie verlassen unsere website.